Predigt von Pastor Stanke am 2. Juli 2011 in der Klosterkirche Amelungsborn

Der Friede Gottes und die Liebe Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Festgemeinde hier in der Klosterkirche zu Amelungsborn!
Das ist schon was, hier oben auf der Kanzel dieser wunderschönen Kirche zu stehen und hineinzusehen in eine volle Kirche.
Ein atemberaubender Anblick ist das, sie hier alle zu sehen;
und dies ist ein atemberaubender Augenblick in meinem Leben.
Vor zwei Wochen, am Sonntag bin ich in Wiesens verabschiedet worden. Fast 19 Jahre meines Lebens habe ich dort gelebt, und Wiesens ist ein wirkliches Zuhause, eine Heimat geworden, für mich und meine ganze Familie. Viele aus Wiesens und Brockzetel, ein ganzer Bus voll, sind heute hierhergekommen, um Ihren Pastor und die Familie Stanke hierherzubringen. Ich freue mich sehr, dass ihr gekommen seid und mich hierher begleitet. Es zeigt mir die Verbundenheit, die in den Jahren gewachsen ist, und dafür möchte ich Euch danken! Ihr habt eine ziemlich lange Busfahrt auf euch genommen und verzichtet zugleich auf den Tag der Niedersachsen, der ja dieses Wochenende in Aurich stattfindet. Ich weiß das sehr zu schätzen!
Viele aus Wiesens haben mich gefragt: Warum wollen Sie uns denn verlassen? Vielleicht stellt ihr, liebe Wiesenser, diese Frage jetzt nicht mehr, weil ihr die Antwort schon gefunden habt, in dieser Kirche und dem Gottesdienst, in der Begegnung mit den Menschen hier und der Landschaft. Aber ich will es doch noch versuchen, mit Worten auszudrücken: Ich bin hierhergekommen, weil mich die Herausforderung der Kirchengemeinde Amelungsborn sehr reizt. Wie man das zusammenbringen kann: eine gewachsene und überaus kostbare Tradition in dieser Gemeinde zu wahren und lebendig zu halten und fortzuführen, und zugleich neue und ganz unkonventionelle Gottesdienste zu wagen, neue Wege zu gehen, weil es doch so verschiedene Weisen gibt, um Gott zu loben und ihn
anzubeten und zu erleben. Denn, das ist doch das Ziel jedes Gottesdienstes: Dass ich mich für Gott öffne, mich ansprechen lasse von Ihm; dass ich bereit bin, mich von Ihm in den Dienst nehmen zu lassen, oder auch einfach nur seine Gegenwart zu genießen und mich stärken und nähren zu lassen im Glauben. Dies kann in der lutherischen Messe ebenso geschehen wie in einem Gottesdienst mit der Kirchenband, laut, mit Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboard. Das kann geschehen in der Taizée-Andacht oder im Stundengebet, oder in einem Familiengottesdienst. Oder in noch ganz anderen Formen, die wir hier zusammen erproben könnten. Schließlich ist Hildesheim ja nicht weit mit seinem Kompetenzzentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik!
Nun bin ich hier. Ich habe vor, hier heimisch zu werden, in diesem schönen Pfarrhaus, im Dorf, in dieser Gemeinde. Ich will hier wieder Wurzeln zu schlagen, um mit und bei den Menschen zu leben - hier bei Ihnen, in Golmbach, in Holenberg und Negenborn, Warbsen, in Lütgenade, und im Kloster Amelungsborn.
Wie schön, dass Sie gekommen sind, aus allen diesen Dörfern, aus den Vereinen und Organisationen, und auch aus der Kollegenschaft. Ich empfinde dies als einen Willkommensgruß und Zeichen der Bereitschaft, mit der Kirche und mit dem neuen Pastor zusammenzuarbeiten. Darüber freue ich mich und danke Ihnen. Wahrscheinlich sind sie neugierig auf mich und wollen wissen: Was ist denn der Stanke für einer. Naja, das werden Sie schon noch merken. Ich bin eigentlich ganz normal, wie jeder Mensch mit Stärken und Schwächen. Meistens bin ich gut drauf; manchmal können Sie mich auch auf dem falschen Fuß erwischen. Nehmen Sie das nicht persönlich und bleiben Sie neugierig. Auch ich bin neugierig auf Sie; hier in den Dörfern, in der Samtgemeinde und im Kreis. Und bei der Feuerwehr natürlich. Gern möchte ich mit Ihnen allen zusammenarbeiten. Geben Sie mir etwas Zeit und haben Sie Geduld mit mir. Manches braucht Zeit zum Wachsen; ich bin guter Hoffnung, dass wir das miteinander hinbekommen.
So bin ich nun hier, weil ich gerne hierher wollte.
Und weil Kirchenvorstand, Kirchengemeinde und unsere Kirchenleitung dem zugestimmt haben. Aber hinter diesem äußerlichen und rationalen Geschehen erkenne ich als gläubiger Christ noch mehr. Ich bin hier, weil ich fest überzeugt bin, dass mein Lebensweg von Gott geleitet ist und dass Gott mich hierher geführt hat. Dass Gott weiß, wo ich mit meinen Begabungen und meinen Sehnsüchten am besten sein sollte. Und das ist jetzt, nach den Jahren des Wachsens und Reifens in Wiesens, das ist jetzt hier, in Amelungsborn. Darum ist es für mich auch ein so besonderer Tag, ein großer Tag.
Darum habe ich ein Bibelwort gewählt für "den großen Tag" schlechthin.
Es ist der Psalmvers, den wir an Ostern und Pfingsten hören, Der Vers, der von Gottes
großen Taten spricht, die wir dann staunend erkennen können.
So heißt es im Psalm 118:
Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasset uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Liebe Gemeinde, darauf kommt es doch an: Dass wir Gottes Handeln erkennen und bekennen, im Hier und jetzt, ganz konkret und handfest. Dass jede und jeder sagen kann: das hat mit meinem Leben zu tun. Die großen Taten Gottes, von denen uns die Bibel erzählt, sie bleiben mir doch abstrakte Theorie, wenn ich die Taten Gottes in meinem eigenen Leben nicht finden kann. Aber genau dazu lädt uns die Bibel ein, genau dazu ermuntert uns der Glaube: Suche Gott. Öffne dein Herz für ihn, und du wirst erkennen: Er liebt Dich und tut dir Gutes, er führt Dich und hat Dich immer schon geführt, und er segnet dein Leben. Dann kannst Du sagen: Ja, Gott hat Großes an mir getan. Nicht nur: Gott hat Großes getan - er hat es an mir getan! Dazu will uns dieser Psalm 118 einladen, dass Sie nach Gottes Spuren in ihrem Leben suchen. Dass Sie sich erinnern lassen, vom Psalmdichter des 118 Psalmes, oder von anderen Menschen, die ihnen von Gott erzählen, oder auch von der Pastorin oder vom Pastor, in der Predigt, im seelsorgerlichen Gespräch, oder mal so nebenbei, bei einer Tasse Tee oder einem Glas Bier oder Wein.

Hören wir also die Worte des 118. Psalmes:

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
Es sage nun Israel: Seine Güte währet ewiglich.
Es sage nun das Haus Aaron: Seine Güte währet ewiglich.
Es sagen nun, die den HERRN fürchten: Seine Güte währet ewiglich.
In der Angst rief ich den HERRN an;
und der HERR erhörte mich und tröstete mich.
Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun?
Der HERR ist mit mir, mir zu helfen; und ich werde herabsehen auf meine Feinde.
Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen.
Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Fürsten.
Alle Heiden umgeben mich; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren.
Sie umgeben mich von allen Seiten; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren.
Sie umgeben mich wie Bienen, sie entbrennen wie ein Feuer in Dornen; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren.
Man stößt mich, dass ich fallen soll; aber der HERR hilft mir.
Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:
Die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.
Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.
Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.
Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.
Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid.
Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.
Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Ein wunderschöner Psalm ist dies. Hier legt ein Mensch Zeugnis ab, wie er Gottes Führung und Gottes Nähe erlebt hat, und das nicht nur in guten Zeiten. Hier geht es nicht um allgemeine Glaubenswahrheiten, hier geht es um Biographiearbeit - Gottes Walten im Laufe eines Menschenlebens, im Laufe IHRES Lebens. Vielleicht können Sie sich ja in den Worten des Psalmes wiederentdecken:
Wie sie durch Zeiten der Angst gehen mussten und sie durchgestanden haben. Oder als sie kämpfen mussten, mit widrigen Umständen, oder mit anderen Menschen, um Gerechtigkeit, oder um die Wahrheit. Und wo Sie gemerkt haben: Gott steht ihnen zur Seite. Oder auch die schwere existentielle Krise.

Der Psalmbeter findet da Wort für uns, wo uns selbst manchmal die Worte fehlen:
"Die Rechte des HERRN ist erhöht;
die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.
Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.
Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen."

In meiner Arbeit als Pastor habe ich über die Jahre viele Lebensgeschichten von Menschen kennengelernt, die durch schwere Krisen hindurch mussten; die dem Tod näher waren als dem Leben. ich selbst gehöre ja auch dazu. Wenn man mittendrin steckt, bleibt einem oft nichts mehr als der verzweifelte Hilferuf: Ach Herr, rette mich (Ps. 116,4); und manchmal kann man nicht einmal mehr das zu Gott rufen, weil Gott so unendlich fern und unerreichbar scheint. Dann ist es gut, Menschen zu haben, die für einen beten; am besten viel und regelmäßig, wie in den Tagzeitengebeten in den Klöstern, auch hier in Amelungsborn. Ein treuer und unverzichtbarer geistlicher Dienst ist das.

Wer nun die Krise durchstanden hat, kann sagen: "Glück gehabt. Das ist grad noch mal gut gegangen." Das finde ich aber, ehrlich gesagt, unangemessen und oberflächlich. Wer nicht grade ein bekennender Atheist ist, der sollte doch besser sagen: "Gott sei Dank."  und "Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen." Dazu will uns ja der Psalm aufrufen, und das Zeugnis der Menschen, die uns von Gott erzählen.
Und worauf will das alles hinaus? Auf das große Lob Gottes!
Dass wir einstimmen in den großen Lobgesang der Menschen vor uns und neben uns, die Gottes große Taten erlebt haben und bezeugen.
Und da bin ich nun wieder beim heutigen Tag angekommen, hier und jetzt, auf der Kanzel der Klosterkirche zu Amelungsborn. "Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein."
Der Psalm lehrt uns die Achtsamkeit des Augenblickes, und ruft uns zur Freude auf: Zur Freude über jeden guten Tag, den er uns schenkt, und zur Freude über manche besondere Tage, wie diesen Tag heute. Da wollen wir gern dem Wort Gottes gehorsam sein, und uns freuen und fröhlich sein. Zur Freude hat Gott uns berufen (Joh. 16,22; Rö.14,17, 1.Petr.4,13, das wollen wir auch feiern.

Hier in Amelungsborn feiern wir heute wie jeden Sonntag das Freudenmal.
Jedes Halleluja im Gottesdienst ist ein Freudenruf, und lässt uns teilhaben an der Fröhlichkeit über Gottes Heilstaten.

Mit der Freude als Grundhaltung und mit meinem Gott an der Seite (Ps.18,30) kann ich auch an die Aufgaben gehen, die in dieser Gemeinde auf mich als Pastor warten. Ich bin Realist genug zu wissen, dass das nicht ganz einfach sein wird. Aber da kann ich sagen, der ich zuvor Gott gelobt habe für jeden Tag, den er mir schenkt: O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

Ich wünsche Ihnen und Euch allen, dass diese Freude und Fröhlichkeit des Glaubens trägt, heute und grade auch in den Tagen, wenn einem nicht nach Lachen zumute ist.
Dies ist der Tag, den der HERR macht- lasset uns freuen und fröhlich an ihm sein.
Ich wünsche uns allen, dass wir dieses Wort immer wieder mit Leben erfüllen können.

Amen. 

Die Kirchengemeinde Amelungsborn hat einen neuen Pastor:Michael Stanke. Er wurde am 2. Juli 2011 durch Abt Eckhard Gorka in sein neues Amt eingeführt.
Die Kirchengemeinde Amelungsborn hat einen neuen Pastor:Michael Stanke. Er wurde am 2. Juli 2011 durch Abt Eckhard Gorka in sein neues Amt eingeführt.