Amelungsborner Brevier des Tages

Zweiter Sonntag der Passionszeit

Zweiter Sonntag der Passionszeit

Reminiscere

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, 
dass Christus für uns gestorben ist 
als wir noch Sünder waren.

RÖMER 5, 8 

PSALM 10, 1 – 12

HERR, warum stehst du so ferne, 
verbirgst dich zur Zeit der Not?
   Weil der Gottlose Übermut treibt,
   müssen die Elenden leiden; 
   sie werden gefangen in den Ränken, die er ersann.
Denn der Gottlose rühmt sich seines Mutwillens,
und der Habgierige sagt dem HERRN ab und lästert ihn.
   Der Gottlose meint in seinem Stolz, 
   Gott frage nicht danach. 
„Es ist kein Gott“ sind alle seine Gedanken.
Er fährt fort in seinem Tun immerdar.
   Deine Gerichte sind ferne von ihm,
   er handelt gewaltsam an allen seinen Feinden. 
Er spricht in seinem Herzen: 
„Ich werde nimmermehr wanken, 
es wird für und für keine Not haben.“
   Sein Mund ist voll Fluchens, voll Lug und Trug;
   seine Zunge richtet Mühsal und Unheil an. 
Er sitzt und lauert in den Höfen, 
er mordet die Unschuldigen heimlich, 
seine Augen spähen nach den Armen.
   Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe im Dickicht,
   er lauert, dass er den Elenden fange;
   er fängt ihn und zieht ihn in sein Netz. 
Er duckt sich, kauert nieder, 
und durch seine Gewalt fallen die Unglücklichen.
   Er spricht in seinem Herzen: „Gott hat’s vergessen, 
   er hat sein Antlitz verborgen,
   er wird’s nimmermehr sehen.“
Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand! 
Vergiss die Elenden nicht!


LESUNG 
AUS DEM ALTEN TESTAMENT 
Jesaja 5, 1 - 7

Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

EPISTEL
Römer 5, 1 - 5

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.


EVANGELIUM 
Markus 12, 1 - 12

Jesus fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole. Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn. Und er sandte noch einen andern, den töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern töteten sie. Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein! Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen“? Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.


WOCHENLIED 366

Wenn wir in höchsten Nöten sein
und wissen nicht, wo aus noch ein,
und finden weder Hilf noch Rat,
ob wir gleich sorgen früh und spat,

so ist dies unser Trost allein,
dass wir zusammen insgemein
dich anrufen, o treuer Gott,
um Rettung aus der Angst und Not.


Das Gebet wird bisweilen stark behindert durch die Kleinmütigkeit des Geistes und durch übermäßige Furcht. Das aber geschieht gewöhnlich dann, wenn der Mensch so sehr seine Unwürdigkeit bedenkt, dass er seine Augen nicht der göttlichen Güte zuwendet. Denn „ein Abgrund ruft den anderen“ (Psalm 41, 8): der Abgrund des Lichtes den der Finsternis, der Abgrund des Erbarmens den Abgrund der Erbärmlichkeit. Abgrundtief und unerforschlich ist ja das Menschenherz, aber wenn meine Missetat groß ist, ist deine Liebe, Herr, noch viel größer. Wenn also meine Seele in mir bestürzt ist, denke ich an die Fülle deines Erbarmens und finde bei diesem Gedanken wieder Ruhe, und wenn ich erwäge, was ich vermag, dann will ich nicht deiner Gerechtigkeit allein gedenken (Psalm 70, 16).

Bernhard von Clairvaux

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