Taufstein

Taufstein
Taufstein

Solange die Amelungsborner Kirche innerhalb der Mönchsklausur nur dem Kloster diente, wurde dort nicht getauft. Erst nachdem sich der Konvent unter Abt Andreas Steinhauer 1568 der Reformation angeschlossen hatte und die Klosterkirche nun den Bewohnern der Klosterdörfer Negenborn und Holenberg als Gemeindekirche offen stand, wurde auch ein Taufstein benötigt. Er stand noch 1840, von einem 1,70 m hohen, achteckigen Eisengitter umgeben, über drei runden Tritten im Westen des Kircheninnern, wurde in neuerer Zeit vorübergehend im Amtsgarten abgestellt und steht nun nach sorgfältiger Restaurierung im östlichen Teil des südlichen Chorumgangs.

Die qualitätvolle Renaissancearbeit, 105 cm hoch aus hellem Sandstein achtseitig becherförmig gearbeitet, ist reich mit Voluten, Rollwerkkartuschen, Flügelköpfen und Fruchtgehängen dekoriert und vielfarbig gefasst. Die Jahreszahl 1592 und das Zeichen eines anonymen Steinmetzen verweisen auf ihre Entstehung. Auf den Kartuschen befinden sich Wappenschilde:

  1. der mit einem Abtsstab gekreuzte, geschachtete Schrägbalken der Zisterzienser,
  2. ein Baum vor zwei gekreuzten Abtsstäben als Wappen des Abts Vitus Buch (amt. 1588-98),
  3. ein Schild, bemalt mit dem herzoglich braunschweigischen Wappen,
  4. ein leeres Schild, das mit dem Halberstädter Wappen bemalt war, das Herzog Heinrich Julius als postulierter Bischof führte.
  5.  

Taufstein  -  Foto: Joachim Franke 2003
Taufstein - Foto: Joachim Franke 2003

 

Von dem verlorenen Eisengitter berichtet das Amelungsborner Corpus Bonorum von 1750. Demnach trug das Gitter auf sieben Seiten je ein bemaltes Wappenschild mit den Namen von Stiftern aus der Lüneburger Patrizierfamilie Töbing, die mit Amelungsborn durch Salinenanteile verbunden war, an der Türseite mit einem Reparaturvermerk von 1728 den Namen Grove und nicht zuletzt den Namen des Corveyer Abts Diederich von Beringhusen (amt. 1585-1616), der sich noch 25 Jahre nach Annahme der Reformation durch den Amelungsborner Konvent an der Stiftung beteiligt hatte.

HWG 2002

 

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