Was wird aus Amelungsborn?
Vor etwa 300 Jahren veröffentlichte ein gewisser Johann Georg Leuckfeld (1668-1726) eine
„Kurtze Nachricht Von dem ehmahlig berühmten Closter Amelungsborn / Und denen darinnen gelebten Aebten / Cistercienser=Ordens".
Es war die kürzeste seiner 15 meist umfangreichen Chroniken welfischer Klöster, die der Hauptpastor der Bischofs- und Klosterstadt Groningen und Sekretär der Äbtissin des Reichsstifts Gandersheim nach fleißigen Studien in Archiven und Bibliotheken des Landes verfasst hatte. Geraten ihm auch gelegentlich Historie und Legende oder die Schreibung und Aufeinanderfolge der Äbte durcheinander, zeichnen sich doch alle Chroniken durch stoffliche Ausführlichkeit und eine für die Zeit ungewöhnliche Zuverlässigkeit aus.
Zwischen seinen ordens- und baugeschichtlichen Ausführungen finden sich Betrachtungen, die bis in unsere Tage taugen, das Schicksal des Klosters in den Zeitläuften wehmütig zu reflektieren und denen, die in ihm körperlich oder mit dem Herzen wohnen, dies auch heute hoffnungsvoll zu ertragen.
In der Frühzeit des Klosters wird ein Gast namens Henrich nächtens von einem alten Mann in den Garten „vor den Abt Werner zu seiner Sommer=Andacht erbauetes Garten=Häuschen geführet". Der gibt ihm Papier und Tinte und sagt: Henrich schreib und behalte:
- Diß Haus wird stehen / fallen / und wieder aufstehen.-
Und von Abt Ludolf II. (1339-1353) weiß Leuckfeld zu berichten, daß jener „ein scharffsinniger / frommer / und weitsehender Mann gewesen / er hat ein neues Garten=Haus beym Closter erbauet / und mit artigen Sinnbildern ausmahlen lassen / an der Thür aber haben untengesetzte Verse gestanden:
-Ortus & occasus nostri dat symbolon hortus
Nunc orimur, morimur,
nunc flos, modo marcor & umbra-
(- Zeichen unseres Aufstiegs und Abgangs gibt uns der Garten: Wachsen wir hier, dort schwinden wir: Blüte bei Schatten und Moder - Übers. Matthias Göhmann)
H.W. Göhmann 2007
