Die Westfassade der Klosterkirche

Ein in die Westfassade eingelassener, jetzt teilweise unleserlich verwitterter Inschriftstein berichtet von der letzten größeren Umgestaltung der Klosterkirche, die 1717 von Abt Christian Heinrich Behm (1712-1740) veranlasst wurde: „… fastigium hoc denuo funditus exstructum ipsumque intus renovaturn AD. MDCCXVII"  (= ... diesen Giebel neu von Grund auf errichtet und denselben inwendig erneuert im Jahre 1717).
Wuchtige eiserne Maueranker, die sich zur Jahrszahl 1717 ergänzen, verweisen in gleicher Weise auf den Beginn der Baumaßnahmen, die weitere Veränderungen an den südlichen und nördlichen Seitenschiff-mauern betrafen und die Anbindung der Kirche an das Konversenquartier aufhoben. Die neue Fassade war "äußerst schlicht und ohne jede Gliederung, eine kleine, einfache Pforte, die wie die heutige im 19. Jahrhundert in neu-romanischen Formen erneuerte Tür ins südliche Seitenschiff führte, war als Zugang für die Laienbrüder bestimmt."
(Maier: Nieders. Denkmalpflege 13, 1990).

Im Rahmen der Restaurierung der Ende des 2. Weltkriegs beschädigten Kirche wurde 1956 der Düssel-dorfer Glasmaler Wilhelm de Graaff mit der Neuverglasung des romanischen Langhauses betraut, die Entwürfe mit dem Landeskonservator, Hochbauamt und Landeskirchenamt abgestimmt. Während für die Rundbogenfenster abstrakte, symmetrische, mehr oder weniger farbige Ornamente vorgesehen waren, erhielt einzig das kleine Kreisfenster im oberen Westgiebel 1957 eine figürliche Darstellung mit der Kreuzabnahme Christi. Vor einem blauen, etwas grün abgesetzten Hintergrund beherrschen der Gekreuzigte und der Ratsherr im Hohen Rat,  Joseph von Arimathia, der Christus vom Kreuz nimmt, beide in Rot, den Mittelpunkt der Darstellung. Eine weniger auffällige Figur, wahrscheinlich der Ratsherr Nikodemus, steht hilfreich dabei.

Danach bat Joseph von Arimathia, der ein Jünger Jesu war, doch heimlich aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe.  Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu ab. Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit wohlriechenden Ölen, wie die Juden zu begraben pflegen.    (Joh  19, 38-40).

HWG 2003

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